Abschnitt 0 – Was muss ich Wissen bevor ich mit dem Training anfange?
Abschnitt 1 – Einteilung der Trainingsperioden
Abschnitt 2 – Was ist Training? Welcher Pulsbereich? Warum Pulsmessung?
Abschnitt 3 – Grundlagentraining
In den Abschnitten 0 „Was muss ich Wissen bevor ich mit dem Training anfange?“ und 1 „Einteilung der Trainingsperioden“ habe ich die grundlegenden Punkte erläutert, die man vor seiner Planung benötigt:
Bevor es jetzt wirklich ab auf das Rad und raus an die frische Luft geht, noch einige biologische und technische Grundlagen, die Euch Informationen über Euren Körper und die besonderen Umstände beim Sport geben.
Allgemein denkt man ja man muss trainieren, um besser zu werden. Nun ist es aber so, dass der eigentliche Leistungszuwachs nur in der Pause kommt und das Training den Körper eigentlich „schwächt“. Zur Enttäuschung aller Sesselsportler benötigt der Körper jedoch beides: Das Training, um aus dem Gleichgewicht zu kommen! Und die Pause, um wieder das Gleichgewicht herzustellen, dabei ein bisschen besser zu werden, um beim nächsten Training nicht wieder so stark aus dem Gleichgewicht zu kommen.
Ich stelle das aus Vereinfachungsgründen so vor:
Dieser Rhythmus von Belastung = Training = Störung des Gleichgewichts mit der anschließenden Pause = Regeneration = Einpendeln des Gleichgewichts auf einem etwas höheren Niveau funktioniert von Trainingseinheit zu Trainingseinheit und auch in größerem zeitlichen Rahmen. Man muss seinem Körper nach jeder Einheit die notwendige Erholung gönnen und dann den nächsten Trainingsreiz zu setzen. Man muss aber auch nach einer gewissen Trainingsdauer seinem Körper die Möglichkeit geben dieses neue Gleichgewicht zu stabilisieren.
Daraus folgt dann die berühmte 3:1 Regel. Drei Tage Training gefolgt von einem Tag Pause – drei Wochen Training gefolgt von
einer Woche Pause.
Was natürlich wieder nur eine Faustregel ist. Individuell und von der jeweiligen Saison abhängig kann das bei jedem wieder
etwas anders gehandhabt werden.
Somit kann man sagen, dass Training das gezielte Herstellen eines Ungleichgewichts für den Körper mit anschließender Regeneration und Stabilisierung auf einem höheren Leistungsniveau ist.
Die Belastung kann auf unterschiedliche Arten gemessen werden.
Die Pulswerte sind eine wirklich individuelle Sache, die von so vielen Faktoren abhängen, dass jeder, der anfängt, sich
zu einem Arztbesuch durchringen sollte, um diese möglichst genau bestimmen zu lassen.
Meine Pulsbereiche habe ich aus den letzten Untersuchungen und mit einigen meiner persönlichen Tests folgendermaßen eingestellt:
Da ich so langsam anfange ein komplettes Buch daraus zu machen, werde ich das Thema hier erstmal beenden, um auch endlich zum eigentlichen Training zu kommen. Wer aber noch Fragen zu biologischen Grundlagen, Energiebereitstellung im Körper, Laktatkurven oder den Pulswerten hat, kann gerne persönlich anfragen.
Wieder einmal von mir persönlich ausgehend kann ich sagen, so viel unterschiedliche Sachen und Sportarten wie ich Lust habe. In der allgemeinen Grundlage kommt es darauf an, den Körper nach der Saison oder Winterpause wieder an die Belastungen zu gewöhnen und Problemzonen aufzutrainieren. Damit meine ich jetzt nicht nur die Hüften nach den Weihnachtsgelagen, sondern auch die Extremitäten, die Fahrradfahrer gerne mal vernachlässigen. Dazu gehören Arm- und Brustmuskulatur, Bauch- und Rückenmuskeln und natürlich Gymnastik und Beweglichkeit für den gesamten Körper. Aber auch die Ausdauer darf natürlich nicht zu kurz kommen! Es muss aber nicht immer das Rad sein. Mountainbiker können Rennradfahren, Rennradfahrer sich aufs MTB setzen. Alle können Joggen oder Nordic Walken oder Schwimmen. Damit werden einfach andere Muskeln, die im Rahmen der Spezial“disziplin“ vernachlässigt werden gleichmäßig mitgekräftigt.
Als eine, meiner Meinung nach, für Biker perfekte Vorbereitungssportart würde ich das Nordic Walking (NW) sehen.
Ich weiß! „Das sieht sch… aus und die Laufen einem immer im Weg rum!“ Das sind so die üblichen Vorurteile,
die leider auch immer wieder in freier Wildbahn bestätigt werden.
Dazu kann ich nur sagen: Macht es einmal richtig und Ihr werdet merken was Ihr davon habt!
Und Herz/Kreislauf profitieren auch noch davon und können, bei maximaler Schonung der Gelenke, durch alle
Intensitätsstufen bis hinauf in höchste Spitzen trainiert werden.
Meine Frau ist NW Instruktorin und hat mir das richtig gezeigt. Die ersten paar Mal wusste ich nicht welcher Teil meines
Körpers am wenigsten weh tut. Es war einfach überall. Aber nach dieser ersten Anpassungsphase (s.o. bei „Was
ist Training?“) war es einfach das perfekte Training. Sie selber profitiert auch massiv von den Effekten des NW bei ihren
Läufen und Triathlons. Dort gibt es die gleiche Problemzonen wie bei den Bikern: Die Bauch- und Rückenmuskulatur!
Irgendwann mach die schlapp, wenn man nichts dafür tut.
Jeder braucht sie, aber kaum einer macht wirklich was dafür. Der Biker muss seinen Körper aufrecht halten und
aktiv fahren können, um Unebenheiten auszugleichen, der Zeitfahrer oder Triathlet muss eine flache, gestreckte und damit
aerodynamische Haltung über lange Zeit einnehmen können. Und der Triathlet hinterher noch laufen. Und das alles
stabilisiert eine trainierte Rumpfmuskulatur.
Genug geplaudert, jetzt wird es praktisch. Und das Beste, ich kann Euch Videos und super Erläuterungen zu den unterschiedlichen Übungen zeigen, ohne dass Ihr den Rechner verlassen müsst.
In der Community von fitness.de (www.fitness.de/community/my-fitness/trainingsvideos.html) findet Ihr alle Übungen zur
Kräftigung des gesamten Körpers von kompetenten Trainern demonstriert. OK, die schauen manchmal etwas
spaßbremslich, aber die Übungen sind trotzdem super erklärt und vorgemacht.
Ich würde, gerade für Fahrradfahrer (egal, ob Tourer, CC Racer, Downhiller oder Dirter), die etwas für ihre
Rumpfmuskulatur tun wollen, folgende Übungen empfehlen:
Natürlich kann sich, wer Hantel oder Band hat auch an den anderen Übungen versuchen, um etwas für Arme, Brust und Beine zu tun. Aber das eigentlich nur in der allgemeinen Vorbereitung, wenn Ihr noch nicht so viel auf dem Bike sitzt. Danach eher weniger.
Zur Grundlage gehören meiner Meinung nach eben die allgemeinen Kräftigungsübungen, Gymnastik, um
die Muskeln wieder zu dehnen und die Beweglichkeit zu erhalten und der sportliche Blick über den Tellerrand hinaus.
Allgemeine Kräftigung und Gymnastik natürlich auch weiterhin im Laufe der Saison, das sollte immer dabei sein.
Die Dirtfahrer oder Downhiller, die sich häufig in der Luft befinden, können sich auch mit Turmspringen im Schwimmbad
oder Trampolinspringen einen koordinativen Vorteil in der 3. Dimension verschaffen.
Das Biken soll aber nicht in den Hintergrund gedrängt werden.
Hier dominieren lange bis längere Einheiten, die vor allem nach Zeit gefahren werden sollten. Die Kilometer sind eigentlich
erstmal zweitrangig. Wichtig ist, das Herz, Stoffwechsel und Muskeln über einen ausreichend langen Zeitraum belastet werden
und sich anpassen müssen. Wenn Puls und Dauer stimmen, sind die Kilometer momentan egal. Idealerweise fährt man
viel auf der Straße oder Wegen, um so den Puls besser kontrollieren zu können. Im Gelände ist das natürlich
ziemlich schwierig.
Bevor man jetzt aber einschläft vor lauter laaaangen, ruuuhigen Einheiten – bei allem den Spaß und die Spritzigkeit nicht vergessen. Also auch gemütlich auf den Berg hochfahren, um es den Trail hinunter krachen zu lassen. Da habe ich bergauf eine Krafteinheit und hinterher das Grinsen im Gesicht. Für die Spritzigkeit mach ich nach etwa 20 bis 30 Minuten gemütlichem Fahren ein paar Antritte und Sprints. Höchstens 10 Sekunden und mit dem Schwerpunkt auf hoher Umdrehungszahl, aber 3 bis 5 Mal lass ich schon ordentlich die Kuh fliegen. Und gelände- sowie witterungsabhängig sind Berge oder Gegenwind auch immer wieder, mal mehr, mal weniger, gerne gesehene Trainingspartner, die die Krafteinheiten ausmachen.
Was ich inzwischen auch vermehrt einbaue sind Technikübungen, die Gleichgewicht und das Handling meines MTB verbessern. Balance halten, stehen bleiben ohne Fußabsetzen, enge Kurven, Treppen, Bordsteinkanten, Wheelyversuche als Vorstufe zum Bunny Hop, usw. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Höchstens der Physik! Auch nasse und matschige Untergründe und Trails sollten nicht fehlen, damit man auch auf rutschigem Untergrund zu Recht kommt.Für mich ist das Grundlagentraining eine Mischung aus vielen, langen Einheiten mit kurzen etwas intensiveren Abschnitten. Unterbrochen von Spaßeinheiten, die Lust auf mehr machen. Lust auf noch mehr Training und noch mehr Spaß!
Und bevor ich jetzt noch länger schreibe, gibt es an dieser Stelle wieder eine Pause zum Nachlesen und sacken lassen. Ich hoffe, Ihr habt trotzdem bis hierher durchgehalten. Nächstes Mal wird es wieder kürzer, ist versprochen.
Kontakt: dirk(at)5-t-dimension(punkt)de
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